Sambia liegt mitten in Afrika. Dort entsteht aus dicken Bambusrohren in viel Handarbeit ein einzigartiger Exportartikel: Die Firma Zambikes fertigt Fahrradrahmen aus Bambus.
Jörg Spaniol berichtet von einer nachwachsenden Geschäftsidee.

Am Stadtrand von Lusaka, 5.30 Uhr. In der kurzen Morgendämmerung zittern sich drahtige Männer auf heillos überladenen Fahrrädern ins Zentrum der sambischen Hauptstadt. Kaum kontrollierbar schlingern die Rahmen der geschundenen schwarzen Herrenräder. Große Säcke voller Holzkohle sind senkrecht und quer auf den Gepäckträgern verzurrt, zusammen gut 75 Kilo schwer. Die Kohle aus dem bewaldeten Umland liefert vielen Haushalten die Energie zum Kochen. Grob angeschweißte Verstärkungen sollen Rahmen und Gepäckträger vor dem Zusammenbruch bewahren. Das klappt nicht immer. Und gebremst wird mit dem Fuß.

Bilder wie diese waren es, die zwei amerikanische Studenten im Jahr 2004 vom Uni-Auslandsprojekt in Sambia mit nach Hause nahmen. Bilder von schwer arbeitenden, freundlichen Menschen. Bilder, die in ihnen arbeiteten. Und schließlich zu einer Idee reiften: Mit besseren Bikes und einer dazu passenden Ausbildung, so dachten Vaughn Spethmann und Dustin McBride, müsse sich doch das Leben dieser und anderer Menschen in dem armen Land ganz einfach verbessern lassen. 2007 hatten sie ihr Studium in den USA beendet und waren nach Sambia zurückgekehrt. Als Firmengründer. Die beiden Jungunternehmer sammelten Spenden, taten sich mit zwei einheimischen Geschäftsmännern zusammen und traten mit der Marke Zambikes in die Öffentlichkeit. Ihr Hauptprodukt: ein schweres, aber robustes Sechsgang-Rad aus Stahl mit stabilem Gepäckträger. Auf dem kaltgelben Rahmen steht Amaka Sana. Das heißt in der Sprache der Bemba-Volksgruppe »sehr stark«.

Ein Fahrrad namens Elefant

Rasanter Hingucker – Bike in Highend-Ästhetik

Mwewa Chikamba ist einer der beiden afrikanischen Partner. Mitte dreißig, mit akkurat sitzendem Hemd und von kräftiger Statur, was sich hier nur die Mittelschicht leisten kann. Er ist der Logistiker und kaufmännische Stratege der Marke und stellt klar, dass er von fremdfinanzierten Wohltätigkeitsprojekten wenig hält: »Es hat keinen Sinn, sich von Spenden abhängig zu machen. Die Leute in der Produktion und die Kunden müssen Verantwortung übernehmen für das, was sie tun. Wir haben die Räder auch nie als Wohltätigkeit verteilt, weil die Menschen sie dann nicht wertschätzen und sich nicht genug drum kümmern.« Ein Amaka Sana kos- tet mit 150 Euro etwa doppelt so viel wie die billigen chinesischen Importräder. Das ist bescheiden, doch angesichts von durchschnittlich weniger als 400 Euro Jahreseinkommen unendlich viel. Deshalb subventioniert Zambikes sein Volksrad: Die Marke baut auch Lastanhänger und solche für den Krankentransport. In Sambia, einem Land mit wenig Autos und praktisch ohne Tragetiere, sind sie so hilfreich, dass internationale Hilfsorganisationen sie gerne ordern. Die Gewinne aus dem Anhängergeschäft stützen den Preis für das Volksrad und ein neues Lastenrad namens Njovu (»Elefant«), das 150 Kilo Gepäckträgerlast übersteht. Zudem erlauben sie die Ausbildung von Mechanikern und Stützpunkthändlern im ganzen Land. »Wir machen Business«, sagt Mwewa Chikamba, »aber wir machen soziales Business.« Profite fließen zurück ins Unternehmen, oder sie werden gespendet.

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